Fundsachen

In Schachteln und Schubladen liegen sie herum, die alten Fotos, und warten auf das Tageslicht. Bis sie eines Tages hervorgekramt werden und Erinnerungen wecken. Ein loses Durcheinander.

Ein Familienidyll im Herrenzimmer, wie mein Uropa Fritz es liebte: er am Klavier und der Rest hört brav zu. Dafür ließ er extra einen Photographen kommen.

An Fronleichnam ging die Prozession durch den Ort, von einem Straßenaltar zum nächsten. Alles war feierlich geschmückt. Manchmal fiel einer von uns ín Ohnmacht. Zuviel Weihrauch. Oder Sonnenstich.

Gediegen mit Kutsche und weißem Brautkleid, aber auch mit Schlaghose und langen Haaren. In den späten 1960-er Jahren kam das auch im Dorf schon mal vor.

Im Münsterland ist das ein Traum für viele Menschen: beim Schützenfest den Vogel abschießen und dann eine Königin wählen können.

Als mein Uropa Fritz sein Haus baute, vor 100 Jahren, lag es am Stadtrand. Und dahinter kam der Wald. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen.

Peter war mein Großonkel. Wenn von ihm die Rede war, hieß es immer: Er hat das schönste Mädchen im Dorf geheiratet. Mit Catharina war er viele Jahre glücklich verheiratet.

Großonkel Joseph schickte die Postkarte an seine Verwandten nach Estern-Büren bei Stadtlohn. Das war 1917. Schwarze Soldaten hatte er bestimmt schon mit eigenen Augen gesehen, an der Westfront.

Ich konnte nicht einfach so daran vorbeifahren. Ich musste anhalten und wenigstens ein Foto machen. Irgendwo an der Landstraße in Massachusetts.

Wenn schon, denn schon. Ein Fotograf kam nicht oft vorbei. Also stellten sich alle gestriegelt auf, mitsamt Gesinde und Pferden. Und dann hieß es: Still stehen!

Kaum zu glauben: Essen nannte sich wirklich lange Zeit "die Kanonenstadt". Man war stolz auf die Produkte der Kruppschen Werke, die weltweit an Freund und Feind verkauft wurden.

Im Frühling säen und pflanzen, im Sommer ernten und einkochen. Und zwischendurch immer wieder gießen, hacken und Unkraut jäten. Ein Gemüsegarten gehörte fast zu jedem Haus.

Wirklich wahr. Kein Photoshop-Trick. Die Gemeindeverwaltung Friedrichsthal denkt einfach praktisch. Und alle Welt hat sich längst daran gewöhnt.

Dass kleine Mädchen ein Poesialbum haben, weiß man ja. Aber mein Uropa Fritz hatte auch eines. Seine Studienkollegen im Lehrerseminar füllten ihm die Seiten mit Gedichten und allerfeinsten Zeichnungen.

"Eigener Herd ist Goldes Wert": Dieser Spruch hing gedruckt oder gestickt in vielen Küchen. Das Ding in der Bildmitte heißt in Westfalen "Kochmaschine". Daneben sitzen Onkel Bernd und seine Mutter Anna.

Solche Hochzeitsbilder gibt es in jeder Familie. Auch gute Feen, die sich um die Torten kümmern. Aber die mit der Suppenkelle - ist die nicht furchteinflößend? Ich möchte ihr nicht bei Dunkelheit begegnen.



Romantische Bootspartie mit drei unbekannten Grazien. Wie kamen sie in Omas Fotoschachtel? Wer sind sie? Weiß das jemand?